„Holen – Fördern – Halten“: Berufung und Evaluation von Tenure-Track-Professuren

Göttingen, 18. Juni 2020

Georg-August-Universität Göttingen
Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Papendiek 14, Vortragsraum
37073 Göttingen

 

Mit dem systematischen Ausbau des Tenure-Track Karrierewegs etabliert sich das Nachwuchsförderungsprinzip „holen – fördern – halten“ in den Universitäten. Daraus resultieren erhöhte Anforderungen an die Beurteilungskriterien und Qualität der Auswahlprozesse sowie der Zwischen- und Tenure-Evaluation.

So nehmen bei Tenure-Track-Berufungsentscheidungen („Holen“) neben der Würdigung bisheriger wissenschaftlicher Leistungen und Qualifikationen insbesondere auch die Abschätzung fachlichen und überfachlichen Potenzials für die erfolgreiche Tenure-Evaluation eine bedeutsame Rolle ein. Welche Ansätze und Erfahrungen gibt es dazu? Wie werden die in den universitären Satzungen dargelegten für alle Fächer geltenden allgemeinen Bewertungskriterien im Fach BWL spezifiziert und angewendet? Welche Leistungen werden bezogen auf die Denomination der Professur für eine erfolgreiche Zwischen- und Tenure-Evaluation erwartet? Was hat sich bewährt? Welche Schwierigkeiten bestehen? Welche Aufgaben haben die fakultätsübergreifenden Tenure-Kommissionen? Welche Frühwarnsysteme haben BWL-Fachbereiche implementiert? Welche Rolle spielen Mentoring-Angebote und Statusgespräche?

Diese Arbeitstagung diskutiert, wie die gestiegene institutionelle Verpflichtung zur Qualitätssicherung in Berufungs- und Evaluationsverfahren im Fach BWL umgesetzt wird.

Prof. Dr. Sören Salomo, TU Berlin & DTU, Kopenhagen berichtet über Erfahrungen aus dem skandinavischen und anglo-amerikanischen System, in dem Erfolg bewertet und letztlich Tenure-Entscheidungen über verschiedene Karrierestufen und verschiedene universitäre Laufbahnen getroffen werden. Er gibt einen Einblick in Prozesse, die Bedeutung von Führung im akademischen Kontext sowie eingesetzte Tools, die den Bewertungs- und Entscheidungsprozess unterstützen sollen.

Prof. Dr. Isabell Welpe, TU München diskutiert Erfolgsfaktoren der Wissenschaftskarriere, Dos and Don‘ts, Matthäus Effekte in der Hochschulkarriere, Good Governance und Qualitätsstandards interner (Evaluations)Verfahren. Zudem spricht sie über Helden, Helfer und „Halunken“ auf dem Weg zur Professur.)

Julia Mehr und Dr. Bettina Schreyögg, Universität Hamburg berichten über Erfahrungen in der Entwicklung einer maßgeschneiderten Potenzialdiagnostik für Tenure-Track-Berufungsverfahren. Mithilfe eines potenzialorientierten Leitfadens für Berufungskommissionen und einer Potenzialanalyse zur Feststellung überfachlicher Kompetenzen wird an der Universität Hamburg insbesondere Wert auf Qualitätssicherung in der Abschätzung von Potenzialfaktoren für eine erfolgreiche Tenure-Track-Karriere gelegt.

Diese Arbeitstagung richtet sich an Professorinnen und Professoren, die in Tenure-Track Berufungsverfahren und Tenure-Evaluationen eingebunden sind oder werden und Interesse an einem Erfahrungsaustausch haben, an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die sich über die Verfahren und ihre Bewertungskriterien informieren wollen sowie an Wissenschaftsmanagerinnen und -manager, die an ihren Universitäten mit Berufungen oder Tenure Track Prozessen betraut sind.

 

Moderation: Prof. Dr. Jürgen Ernstberger, TU München und Prof. Dr. Jetta Frost, Universität Hamburg

 

Prof. Dr. Sören Salomo ist seit Januar 2018 Leiter des Fachgebietes Technologie- und Innovationsmanagement an der TU Berlin sowie Affiliated Professor an der DTU - Dänische Technische Universität. Zuvor war Prof. Salomo sechs Jahre Mitglied in der Managementgruppe der DTU und Leiter des Instituts ‘DTU Management Engineering‘, dass knapp 400 Industrial Engineering Forscher vereinigte. Prof. Salomo ist Vorsitzender der Kommission TIE im VHB und Mitglied der Dänischen Akademie der technischen Wissenschaften. Er forscht primär zu organisatorischen Mechanismen im betrieblichen Innovationsmanagement.

Prof. Dr. Isabell Welpe, ist Inhaberin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation an der TU München. Sie berichtet zu ersten Tenure-Evaluierungserfahrungen aus dem deutschen System. Prof. Welpe diskutiert Erfolgsfaktoren der Wissenschaftskarriere, Dos and Donts, Matthäus Effekte in der Hochschulkarriere, Good Governance und Qualitätsstandards interner (Evaluations)Verfahren. Zudem spricht sie über Helden, Helfer und „Halunken“ auf dem Weg zur Professur.

Dr. Bettina Schreyögg ist Psychologin und leitet die Personalentwicklung an der Universität Hamburg mit den Schwerpunktthemen Führung & Zusammenarbeit, Karriereentwicklung sowie Personalauswahl und -diagnostik. Sie hat mit ihrem Team die neuen Tenure-Track PE-Instrumente entwickelt und verantwortet deren erfolgreiche Einführung. Zuvor war sie an der LMU München sowie freiberuflich als Coach im Bereich der wissenschaftlichen Karriereentwicklung tätig.

Julia Mehr ist Psychologin und Referentin für Personalauswahl und Management-Diagnostik in der Personalentwicklung der Universität Hamburg. Sie ist fachlich mit der Entwicklung, Einführung und Durchführung von Instrumenten zur Potenzialdiagnostik für Tenure-Track Professuren sowie zur Management-Diagnostik bei der Besetzung von Leitungspositionen in Wissenschaft und Verwaltung befasst. Zuvor war sie als Leiterin für Personal und Organisationsentwicklung bei einem BMBF-geförderten EdTech-Start-Up in Berlin tätig.

Prof. Dr. Jürgen Ernstberger hat den Lehrstuhl für Financial Accounting an der TU München. Er war Vorsitzender einer Tenure-Evaluierungskommission und ist Advisor bei einem Start-up, das sich mit der Messung von Kompetenzen beschäftigt.

Prof. Dr. Jetta Frost ist Professorin für Organisation und Unternehmensführung an der Universität Hamburg. 2013 bis 2019 war sie als Vizepräsidentin ressortverantwortlich für Berufungsverfahren und die erfolgreiche Einwerbung von Tenure Track Professuren aus dem Bundesprogramm. Sie ist im wissenschaftlichen Beirat für den Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWin 2021).