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Ethik und Nachhaltigkeit in der Digitalisierung - Paradoxon oder Selbstverständlichkeit?

VHB expert Ali Aslan Gümüsay zu Digitalisierung, Führung und Unternehmensethik aus Sicht der BWL

Viele Führungskräfte stellen sich zurzeit zwei zentrale Fragen: Einerseits, wie Unternehmen ökologische und soziale Verantwortung integrieren sollen; anderseits, wie sie mit digitalen Veränderungen umgehen sollen. Meist wird die erste Frage als eine moralische und die zweite als eine strategische Frage gesehen – dabei sind sie miteinander verzahnt. Dr. Ali Aslan Gümüsay, Leiter der Forschungsgruppe Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft am Humboldt Institut für Internet & Gesellschaft, stellt hierzu 3 Thesen auf.

 

Mit steigender Komplexität nachhaltig umgehen lernen

In der sogenannten VUCAP-Welt (ein Akronym für volatile, uncertain, complex, ambiguous und paradoxical) können Unternehmen auf zwei Arten mit steigender Komplexität umgehen. Sie können einerseits versuchen, sie zu reduzieren oder andererseits Mitarbeitende befähigen, mit ihr umzugehen. Nur letzteres ist eine nachhaltige Strategie, da sie ermöglicht, mit nicht zu vermeidenden Zielkonflikten zwischen „People, Planet und Profit“ umzugehen.

 

Weniger Digitalitäts- und mehr Digitalisierungsstrategie

 Statt passivem digitalen Wandel braucht es eine aktiv gesteuerte digitale Wende. Viele Unternehmen wagen zwar mehr Digitalität, aber nicht mehr Digitalisierung. Die Nutzung von digitalen Werkzeugen allein reicht nicht aus. Vielmehr müssen Geschäftsmodelle, Organisationspraktiken und Arbeit neu gedacht werden. Basistechnologien wie Künstliche Intelligenz sind kein Add-on – sie transformieren Unternehmensstrategien und -prozesse. Diese potentielle Disruption ist dabei auch eine Chance, Arbeit sozialer und Wirtschaften nachhaltiger zu gestalten.

 

Führung via und von Technologie

Führung via Technologie bedeutet, dass Technologien verstärkt als Zwischenmedium wirken. Führungskräfte müssen also lernen, mit und durch sie zu kommunizieren. Das zeigt insbesondere die Corona-Krise, in der sich mit dem Homeoffice auch das Umfeld, in dem Führung erlebt wird, geändert hat. Das Homeoffice ist primär Home und sekundär Office. Das Private wird notgedrungen ins Berufliche eindringen. Führungskräfte müssen das respektieren. Sie müssen Verantwortung übernehmen, damit das Berufliche das Private nicht verdrängt. Führung von Technologie wiederum bedeutet, dass Technologien zentralere, aktivere Rollen einnehmen werden. Eine Künstliche Intelligenz muss also geführt werden können. Im Übrigen sind Führungskräfte nicht von der Transformation ausgeschlossen, wie bspw. die Koordination von Uber-Fahrer*innen durch KI zeigt. Man kann hier von programmierter Führung sprechen. Diejenigen, welche Programme schreiben und absegnen, praktizieren damit eine Führung zweiten Grades. Auch das wird zunehmen – und muss sozial und ökologisch gedacht und programmiert werden.

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Auch erschienen auf: idw - Informationsdienst Wissenschaft.

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Dr. Gümüsay ist einer von über 170 VHB experts.

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